
Das Leben eines guten Baumes 🌳
Es war nichts, nur Luft und Stille. Doch dann erschien ein winziger Same, von der Erde angenommen. Aus diesem Samen wuchs ein zartes Pflänzchen, das Blätter und Blüten hervorbrachte. Mit jedem Tag wurde es größer und schöner.
Der Baum trug Blüten und Früchte, die in der Sonne glänzten. Die Blätter flüsterten Geschichten, und die Früchte versprachen süße Erinnerungen. Der Baum wurde älter und weiser, seine Wurzeln tief in die Erde verankert.
Doch die Zeit verging, und der Baum spürte, dass sein Leben sich dem Ende näherte. Er sprach zu seinen Samen, die längst zu Gräsern geworden waren: „Ich gehe in Frieden, denn ich habe der Erde gedient. Menschen haben meine Früchte gegessen, Vögel haben in meinen Ästen genistet, und ich habe Schatten gespendet. Ich habe schöne Dinge getan.“
Der Baum bat seine Samen, ihm nachzufolgen. „Seid wie ich“, flüsterte er, „damit die Menschen nur Positives von euch sprechen. Lasst eure Wurzeln tief in die Erde wachsen, eure Äste weit in den Himmel strecken und eure Blätter im Wind tanzen. Und wenn ihr geht, lasst neue Samen fallen, damit das Leben weitergeht.“
Und so verabschiedete sich der Baum, umgeben von seinen Nachkommen. Seine Blätter fielen sanft auf den Boden, und die Samen fanden ihren Platz. Der Kreislauf des Lebens setzte sich fort, und der Baum lebte weiter – in den Geschichten, den Erinnerungen und den Herzen derer, die ihn kannten.
Möge sein Vermächtnis weiterleben, wie ein Lied, das im Wind erklingt, und wie ein Same, der auf fruchtbaren Boden fällt.
Autor: Ulrich Bouwe
Quelle: www.bouwe.de